Kennedys Handschrift

Zum Amtsantritt des US-Präsidenten vor 50 Jahren: Feierstunde mit persönlichen Erinnerungen

21.01.2011

Der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt und US-Botschafter Philip D. Murphy im Henry-Ford-Bau.
Der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt und US-Botschafter Philip D. Murphy im Henry-Ford-Bau. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
"Wer von Ihnen war dabei, damals am 26. Juni 1963, als John F. Kennedy Berlin besuchte?", wollte der US-Botschafter vom Publikum wissen.
"Wer von Ihnen war dabei, damals am 26. Juni 1963, als John F. Kennedy Berlin besuchte?", wollte der US-Botschafter vom Publikum wissen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Unter dem Beifall der anderen Zuhörer erhoben sich ein Dutzend Menschen, die sich heute noch sehr gut an den Kennedy-Besuch erinnern.
Unter dem Beifall der anderen Zuhörer erhoben sich ein Dutzend Menschen, die sich heute noch sehr gut an den Kennedy-Besuch erinnern. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Hatte die Reden von John F. Kennedy genau verfolgt: Prof. Klaus-Heinrich Standke.
Hatte die Reden von John F. Kennedy genau verfolgt: Prof. Klaus-Heinrich Standke. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Geschichtsunterricht live und in Farbe: Zur Feierstunde mit US-Botschafter Philip D. Murphy (Mitte) waren auch Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern gekommen.
Geschichtsunterricht live und in Farbe: Zur Feierstunde mit US-Botschafter Philip D. Murphy (Mitte) waren auch Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrern gekommen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Eine Ausstellung im Foyer des Henry-Ford-Baus zeigt bis zum 16. Februar historische Dokumente und handschriftliche Notizen Kennedys.
Eine Ausstellung im Foyer des Henry-Ford-Baus zeigt bis zum 16. Februar historische Dokumente und handschriftliche Notizen Kennedys. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Andreas Etges vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität zeigt   US-Botschafter Murphy besondere Exponate aus dem Universitätsarchiv.
Andreas Etges vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität zeigt US-Botschafter Murphy besondere Exponate aus dem Universitätsarchiv. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Sein Berlin-Besuch am 26. Juni 1963 dauerte gerade einmal acht Stunden, seine Rede an der Freien Universität etwa 45 Minuten. John F. Kennedy besaß ein besonderes Talent, das er auch in kürzester Zeit zu nutzen wusste: Mit seinen Idealen und seiner Ausstrahlung schaffte er es, viele seiner Zuhörer persönlich zu berühren. Persönliche Erinnerungen waren es auch, die am vergangenen Donnerstag in Dahlem der Feierstunde zur Amtseinführung des US-Präsidenten Kennedy vor 50 Jahren eine spezielle Atmosphäre verliehen.

Der Einladung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland und der Freien Universität waren rund 400 Gäste in den Henry-Ford-Bau gefolgt, Schüler und Lehrer, Studierende und Professoren ebenso wie Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Wer denn Kennedys Berlin-Besuch miterlebt habe, wollte US-Botschafter Philip D. Murphy wissen – und unter Beifall erhob sich nach und nach ein Dutzend Menschen im Hörsaal A.

Als Schüler am Schöneberger Rathaus gejubelt

Sie hatten den 35. US-Präsidenten 1963 als Schüler vor dem Schöneberger Rathaus mit Hunderttausenden anderen Berlinern bejubelt, waren aufgeregt zur Straße gerannt, als der Lincoln Continental mit Washingtoner Kennzeichen an ihrem Elternhaus vorbeifuhr, oder hatten während seiner Ansprache am Nachmittag vor dem Henry-Ford-Bau der Freien Universität interessante Begebenheiten beobachtet: „Konrad Adenauer soll während Kennedys Rede auf dem Stuhl eingenickt sein“, erinnerte sich eine frühere Studentin, die damals als eine von 20.000 Universitätsangehörigen in der Garystraße gestanden hatte.

Mit seiner Rede an der Freien Universität habe Kennedy die deutsche Politik entscheidend beeinflusst, sagte der Präsident der Freien Universität, Professor Peter-André Alt: „Von ihr gingen Impulse aus, die in den seit 1970 verhandelten Ostverträgen der sozialliberalen Koalition als ‚Wandel durch Annäherung‘ Realpolitik wurden.“

Ausstellung bis 16. Februar im Henry-Ford-Bau

Wie es zu dem Besuch in Dahlem kam und welche Vorbereitungen hierfür getroffen wurden, beleuchtet eine Ausstellung, die das John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien und das Universitätsarchiv der Freien Universität organisiert haben. Bis zum 16. Februar sind im Foyer des Henry-Ford-Baus historische Dokumente, Fotos und Filme über den Berlin-Besuch zu sehen. Dazu zählen Protokolle und Ablaufpläne der damaligen Hochschulleitung zum vorgesehenen Eintreffen Kennedys am 26. Juni 1963 um 15.50 Uhr und der anschließenden Verleihung der Ehrenbürgerwürde. Gezeigt werden auch handschriftliche Notizen Kennedys, eine Auswahl der 2500 Dias über amerikanische Kunst, die er als Gastgeschenk mitgebracht hatte, sowie ein Dankesbrief des Präsidenten.

„Kennedy beruhigte die Berliner Bevölkerung“

Der US-Präsident hatte nicht nur eine besondere Beziehung zur Freien Universität, die 1948 mithilfe amerikanischer Unterstützung gegründet worden war. Er war Berlin eng verbunden, denn die geteilte Stadt spielte inmitten des Kalten Krieges eine entscheidende weltpolitische Rolle. Mit seinen berühmten Worten „Ich bin ein Berliner“ habe er Hoffnung geweckt und die Bevölkerung beruhigt, sagte ein Zuhörer, der damals dabei war. „So haben wir ein neues Verhältnis zu den Vereinigten Staaten entwickelt."

Mythos Kennedy

Der Mythos Kennedy scheint ungebrochen. Die Stärke seiner Ideen und Ideale reiche bis in die heutige Zeit und die Präsidentschaft von Barack Obama, spannte US-Botschafter Murphy den Bogen ins Jahr 2011. Heute sei man zwar nicht mehr mit dem Kalten Krieg konfrontiert, dafür aber mit neuen globalen Herausforderungen. Der Botschafter erinnerte in diesem Zusammenhang an einen weiteren berühmten Satz Kennedys: „Es gibt kein Problem der Menschheit, das Menschen nicht lösen können“, hatte er 1963 seine studentischen Zuhörer in einer Rede ermutigt. Ein Satz, der für Murphy das eigentliche Vermächtnis John F. Kennedys ist.