Neue Lebenswelten kennenlernen

Studierende der Freien Universität zeigen Kreuzberger Grundschulkindern, dass Berlin größer ist als der eigene Kiez.

14.07.2010

Mentorin und Mentee: Antonia und Eren bei ihrer Stadtrundfahrt durch Berlin.
Mentorin und Mentee: Antonia und Eren bei ihrer Stadtrundfahrt durch Berlin. Bildquelle: Melanie Hansen

Vor acht Monaten haben sich Eren und Antonia kennengelernt. Seitdem haben der neunjährige Schüler aus Kreuzberg und die 21-jährige Studentin jede Woche einen Nachmittag miteinander verbracht. Zusammengeführt hat sie das Mentorenprojekt Nightingale: Lehramtsstudierende der Freien Universität und Kreuzberger Grundschulkinder mit Migrationshintergrund erkunden gemeinsam Berlin.

Eren lächelt, wenn er von seinen Unternehmungen der vergangenen Wochen erzählt: Er war im Tierpark, im Legoland und im Aquarium. Immer mit dabei: Mentorin Antonia. Heute steht eine Stadtrundfahrt durch Berlin auf dem Programm.

Nicht nur für den türkischstämmigen Eren eine neue Erfahrung, sondern auch für Antonia: „Ich bin vor zwei Jahren von Schwedt für das Studium nach Berlin gezogen und habe bisher auch noch keine Stadtrundfahrt gemacht“ ,erzählt die Studentin.

Schüler und Studierende profitieren von dem Projekt

So ist das Mentorenprojekt Nightingale nicht nur eine Bereicherung für die Schüler, sondern auch für die Studierenden. „Man lernt vollkommen neue Lebenswelten kennen. In dem Teil Kreuzbergs in dem Eren wohnt bin ich vor dem Projekt noch nie gewesen", sagt die angehende Lehrerin. „Durch Eren und seine Familie habe ich einen Einblick in die türkische Kultur erhalten und gelernt, meinen Blick zu öffnen.“

Auch Eren profitiert von dem Projekt: Er lernt neue Orte außerhalb Kreuzbergs kennen und verbessert durch die Gespräche mit Antonia seine Deutschkenntnisse. „Eren ist in den vergangenen acht Monaten viel gesprächiger und selbstbewusster geworden“, sagt Antonia. „Es ist ein wirklich schönes Gefühl zu sehen, wie er regelrecht aufblüht.“

Die Nachtigall singt, wenn sie sich sicher fühlt

Diese positive Entwicklung des Schülers spiegelt sich im Projektnamen Nightingale wider: Die Nachtigall ist ein eher unscheinbarer Vogel, der wunderschön singt – sobald er sich sicher fühlt. Vor vier Jahren startete das Mentorenprojekt an der Freien Universität und der Otto-Wels-Grundschule in Kreuzberg. Vier von fünf Kindern der Schule haben einen Migrationshintergrund.

Eren wurde wie die anderen Kinder, die bereits am Projekt teilgenommen haben, von seiner Klassenlehrerin ausgewählt. Sind die Eltern einverstanden, können die gemeinsamen Erkundungstouren von Schülern und Studierenden beginnen – bis heute entstanden so 64 Tandems. 

Ihre wöchentlichen Erlebnisse haben Eren und Antonia in einem gemeinsamen Tagebuch festgehalten. Das Tagebuch wird Eren behalten „damit er sich auch in ein paar Jahren noch an unsere gemeinsame Zeit erinnern kann“, sagt die Studentin. Mit der Stadtrundfahrt endet diese gemeinsame Zeit vorerst – sie ist das letzte Nightingale-Treffen von Eren und Antonia. „Aber ich hoffe, dass wir uns auch nach dem Projekt weiterhin sehen werden.“

Neue Mentorinnen und Mentoren gesucht

Wer sich als Mentorin oder Mentor engagieren möchte, kann sich bei einer Infoveranstaltung des Projekts am 15. Juli über die Teilnahmebedingungen erkundigen. Das Projekt ist offen für Studierende aller Fachrichtungen.

Nightingale Infoveranstaltung am 15. Juli

  • 09-10 Uhr im Raum KL 23/121a, Habelschwerdter Allee 45
  • 18-19 Uhr im Raum KL 23/123 (Pädagogische Werkstatt)