Holzstiche von damals als Digitalbilder für heute

Mit der Gründungsförderung profund der Freien Universität werden Schätze aus Natur- und Kulturgeschichte digital zum Leben erweckt

07.06.2010

Ein Quagga als Ausschnitt aus einem Holzstich
Ein Quagga als Ausschnitt aus einem Holzstich Bildquelle: Quagga Media
Rita Gudermann hat Holzstiche archiviert
Rita Gudermann hat Holzstiche archiviert Bildquelle: Katrin Dinkel
Ewa Deja ist Mitgründerin von Quagga Media
Ewa Deja ist Mitgründerin von Quagga Media Bildquelle: Katrin Dinkel

Quagga? Der Name klingt so legendenhaft und irreal wie sein Namensgeber tatsächlich ist: ein Steppenzebra, das Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben ist. Nun wird das Quagga zum Namensgeber einer Existenzgründungsidee zweier Historikerinnen der Freien Universität – die nicht nur dieses Zebra aus der Vergangenheit zurückgeholt haben, sondern auch viele Illustrationen aus der Zeit von 1850 bis 1914. Rita Gudermann und Eva Deja digitalisieren historische Holzstiche und vertreiben sie mit ihrem Unternehmen "Quagga Media" seit März 2010 über ein Online-Archiv.

„Mich begeistern diese Holzstiche. Man hat so vielfältige Verwendungsmöglichkeiten", schwärmt Rita Gudermann von den Illustrationen. Als eingescanntes Bild erscheinen sie gestochen scharf auf dem Bildschirm; ein Ergebnis, das man so nur mit diesen feinen Zeichnungen erreicht. Die Idee für ein Bildverzeichnis der Holzstiche aus alten Büchern kam der Historikerin schon vor Jahren. Sie benötigte für journalistische Arbeiten historische Illustrationen zum Bebildern von Artikeln. Doch wo findet man so etwas?

Quagga: ein südafrikanisches Steppenzebra als Namensgeber

In mühsamer Detailarbeit wählte Gudermann urheberrechtlich freie Stiche und Zeichnungen aus, scannte sie ein und konnte so immer mehr Motive digital festhalten und auf diesen reichen Bilderschatz regelmäßig zurückgreifen. Gemeinsam mit Eva Deja und dank der Unterstützung der Gründungsförderung der Freien Universität profund konnten mittlerweile über 40.000 Illustrationen archiviert werden.

„Wir wollten einen Namen, der etwas Figürliches darstellt. Das Steppenzebra Quagga ist ausgestorben, als die historischen Bilder Hochkonjunktur hatten. Deshalb der Name Quagga“, erklärt Gudermann die Namensgebung der Online-Bildagentur.

Vermarktung der Illustrationen

Seit 2010 steht Quagga Media auf eigenen Füßen und kurbelt die Vermarktung der Bilder im Internet an. Kunden sind Hobbygrafiker ebenso wie professionelle Gestalter, die historische Motive beispielsweise zu Architektur, Botanik oder Medizin suchen. Das Portal ist interaktives Online-Archiv und Bildermarkt zugleich. Nutzer können sich die Illustrationen und Gestaltungshilfen herunterladen und werden beraten, wenn es darum geht, Zeichnungen aus eigenen Bildbänden digitalisieren zu lassen und anzubieten.

Generell ist das Angebot auf eine Mehrfachverwendung der Illustrationen ausgerichtet; eine Strategie, die die Quagga-Gründerinnen den Holzstich-Künstlern abgeguckt haben. Denn diese Drucktechnik war seinerzeit die einfachste Möglichkeit, Zeichnungen zu vervielfältigen – mit großem Erfolg.