„Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit und Leidenschaft“

Verabschiedung von Professor Dieter Lenzen als Präsident der Freien Universität

16.04.2010

Der mittlerweile ehemalige Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, blickte in seiner Rede noch einmal zurück
Der mittlerweile ehemalige Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, blickte in seiner Rede noch einmal zurück Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Hans-Uwe Erichsen, der Vorsitzende des Kuratoriums, steckt Dieter Lenzen die Goldene Anstecknadel der Freien Universität ans Jacket.
Hans-Uwe Erichsen, der Vorsitzende des Kuratoriums, steckt Dieter Lenzen die Goldene Anstecknadel der Freien Universität ans Jacket. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Abschiedsworte von Dieter Lenzen nachdem Ursula Lehmkuhl, Hans-Gerd Husung, Klaus von der Heyde, Leo Brunnberg und Hans-Uwe Erichsen (v.l.n.r.) ihn verabschiedet hatten
Abschiedsworte von Dieter Lenzen nachdem Ursula Lehmkuhl, Hans-Gerd Husung, Klaus von der Heyde, Leo Brunnberg und Hans-Uwe Erichsen (v.l.n.r.) ihn verabschiedet hatten Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Hans-Uwe Erichsen bedankt sich bei Dieter Lenzens Ehefrau Agi Schründer-Lenzen
Hans-Uwe Erichsen bedankt sich bei Dieter Lenzens Ehefrau Agi Schründer-Lenzen Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Karol Kubicki, der erste Student der Freien Universität, überreicht Dieter Lenzen ein Präsent zum Abschied
Karol Kubicki, der erste Student der Freien Universität, überreicht Dieter Lenzen ein Präsent zum Abschied Bildquelle: Bernd Wannenmacher

„Sie haben eine hohe Schlagzahl vorgegeben“, bescheinigte Professor Hans-Uwe Erichsen dem ehemaligen Präsidenten der Freien Universität, Professor Dieter Lenzen. Der Kuratoriumsvorsitzende hatte zur offiziellen Verabschiedung Lenzens ins Clubhaus der Freien Universität geladen: Viele Mitarbeiter, Wissenschaftler und Wegbegleiter waren am vergangenen Mittwochabend in die Zehlendorfer Goethestraße gekommen. Zehn Jahre lang war Lenzen Mitglied des Präsidiums der Freien Universität, zunächst als Vize-Präsident, seit 2003 als Präsident. Seit dem 1. März leitet er die Universität Hamburg.

Neben dem Tempo würdigte Erichsen die damit verbundenen hohen Verdienste Lenzens: Unter seiner Führung sei die Freie Universität unter die weltweit 100 besten Hochschulen aufgestiegen, im Exzellenzwettbewerb als eine von bundesweit neun herausragenden Universitäten gekürt worden. Der Kuratoriumsvorsitzende bedankte sich bei Dieter Lenzens Familie für das Verständnis, mit dem sie das zeitintensive Wirken des Ehemannes und Vaters über all die Jahre begleitet habe. Dem ehemaligen Präsidenten verlieh Erichsen die goldene Anstecknadel der Freien Universität.

Autonomie der Hochschule – auch im Sinne des Senats

Staatssekretär Hans-Gerhard Husung, der den auf Auslandsreise befindlichen Bildungssenator Professor Jürgen Zöllner vertrat, bediente sich – nicht als Einziger an diesem Abend und passend zu Lenzens neuem hansestädtischen Wirkungskreis – aus dem Schiffahrtsvokabular: Dieter Lenzen habe die Freie Universität zum Flaggschiff in der Berliner Wissenschaftslandschaft gemacht. Dass für Lenzen häufig „externe Bedrohungen“ der Motor für „innere Bewegung“ gewesen seien, habe ihn stets beeindruckt, sagte Husung, mit Anspielung auf die existentiell bedrohenden Sparzwänge, denen die Freie Universität in den 1990er Jahren ausgesetzt war. Unter Lenzens Präsidentschaft sei ein „neues Klima wissenschaftlichen Selbstbewusstseins“ entstanden, seine Ziele habe er stets mit „Inbrunst und innerer Überzeugung“ verfolgt.

Brückenbauer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft 

Dass ein Universitätspräsident Mitglied des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ist, sei keineswegs selbstverständlich, sagte VBKI-Präsident Klaus von der Heyde. Die Kluft zwischen der „großen Welt des Geistes hier und der des schnöden Mammons dort“ werde doch in der Regel als sehr groß empfunden. Von der Heyde würdigte Dieter Lenzen als selbstbewussten „Brückenbauer“, der „nicht bat und bettelte, sondern forderte und verlangte“.

Dank aus dem Fachbereich und dem Präsidium

Professor Leo Brunnberg, Dekan des Fachbereichs Veterinärmedizin, dankte Lenzen auch für die ihn tragende Hochschullehrergruppe „Vereinte Mitte“ für sein Vertrauen und seine Loyalität. Er wies insbesondere auf Lenzens Unterstützung im Kampf gegen eine drohende Schließung der Veterinärmedizin hin: „Wir konnten uns auf Sie verlassen.“ „Es waren intensive Jahre, eine sehr schnelle Zeit“, zog Professorin Ursula Lehmkuhl, amtierende Präsidentin, über ihre Zeit als Erste Vizepräsidenten neben Dieter Lenzen Bilanz. Es sei ihr ein Anliegen, sich bei ihm zu bedanken: „Trotz der hohen Geschwindigkeit fühlten wir uns immer sicher.“ Sie habe viel von ihm gelernt. Nun gelte es, das Erreichte zu konsolidieren, die Clusterstrukturen mit den Fachbereichsstrukturen zu harmonisieren und Verwaltungsabläufe zu flexibilisieren.

„Verbunden bleiben“

Drei Punkte gäbe es, die ihn während seines Wirkens im Präsidium der Freien Universität vor allem angetrieben hätten – und vielleicht als seine persönliche Leistung bewerten werden könnten, gestand Dieter Lenzen in seinem unterhaltsam vorgetragenen Abschiedswort. Immer wieder bedroht zu werden, ein Umstand, aus dem er Motivation beziehe, „dennoch keine Angst zu haben“ sowie Nachsicht zu erfahren. „Man macht in einer solchen Position unablässig Fehler, missachtet Menschen, grüßt nicht zurück, enttäuscht sie.“ Lenzen bedankte sich bei den Laudatoren: bei Hans-Uwe Erichsen, dem er nicht nur qua Amt, sondern auch persönlich verbunden sei, bei Hans-Gerhard Husung, der für „kurze Kommunikationswege“ stehe, bei Klaus von der Heyde für die Offenheit gegenüber der Freien Universität, bei Leo Brunnberg für seine „Treue, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit“, bei Ursula Lehmkuhl für die intensive und gute Zusammenarbeit.

In Hamburg arbeite er – so äußerte er sich scherzhaft – „auf Montage“. Er sei als Professor der Freien Universität für sechs Jahre beurlaubt, insofern bleibe er der Freien Universität auch verbunden. Was ihn an seiner neuen Arbeitsstelle am meisten überrascht habe? „Die hohe Zuverlässigkeit und Freundlichkeit der Menschen." Beides resultiere aus einem anderen Umgang mit Geschwindigkeit. In Hamburg arbeite man sorgfältig, was an der Oberfläche fälschlich als Langsamkeit des Denkens erscheine. Insbesondere lobte Lenzen die Zuverlässigkeit politischer und administrativer Entscheidungen. Bei Wein und Häppchen war im Anschluss an den offiziellen Teil Gelegenheit für Gespräche mit all denen, die gekommen waren, „P“ zu verabschieden – wie der Präsident im traditionellen Jargon seiner engen Mitarbeiter genannt wird.