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Identity talk oder: Wer sind wir?

Podiumsdiskussion und Konzeptlabor am Dahlem Humanities Center der Freien Universität zur Identitätspolitik

09.04.2010

Kulturtheoretiker Homi K. Bhabha (Harvard University)
Kulturtheoretiker Homi K. Bhabha (Harvard University) Bildquelle: Bastienne Schulz
Diskussion zum dreitägigen Konzeptlabor am Dahlem Humanities Center
Diskussion zum dreitägigen Konzeptlabor am Dahlem Humanities Center Bildquelle: Bastienne Schulz
Dan Diner, Eun-Jeung Lee, Ufuk Topkara (v.l.n.r)
Dan Diner, Eun-Jeung Lee, Ufuk Topkara (v.l.n.r) Bildquelle: Bastienne Schulz

Eine Magd wird Königin? Nur im Märchen, das weiß jedes Kind. In der Märchenwelt sind – frei nach Historiker Dan Diner – Zugehörigkeit und soziokulturelle Identität stets geklärt. Anders als heute und im wirklichen Leben. Über kulturelle Identität in der heutigen kosmopoliten Gesellschaft diskutierten der Kulturtheoretiker Homi K. Bhabha und andere am Dahlem Humanities Center der Freien Universität.

Grenzen verwischen, der zwischenmenschliche Austausch wird einfacher, multikulturelle Gesellschaften und unzählige Diaspora-Strukturen entstehen. Zugleich wird vieles in der Weltgesellschaft homogener. Mit der Podiumsdiskussion „Wer sind wir? Identität und Identitätspolitik heute“ leitet das Dahlem Humanities Center der Freien Universität ein dreitägiges Konzeptlabor zur Identitätspolitik ein.

Internationale Denkfabrik

Wie breit das Spektrum an Identitätskonzepten in der aktuellen Debatte ist, lässt sich an den internationalen Teilnehmern der Auftaktdiskussion festmachen. Aus ihrer jeweiligen Perspektive diskutieren sie Fragen der Zugehörigkeit, der Selbstverortung, der Macht von Identität und der Manipulierbarkeit von Identitätspolitik. Die Suche nach der Identität führt rund um den Erdball und quer durch die geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Mit dabei: der Philosoph Akeel Bilgrami (Columbia University), der Literaturwissenschaftler Luiz Costa Lima (Universidade do Estado do Rio de Janeiro) und die Politikwissenschaftlerin Eun-Jeung Lee (Freie Universität), die Historiker Dan Diner (Universität Leipzig) und Ufuk Topkara (Jüdisches Museum), die Rechtsanwältin Gülsen Çelebi und der Theaterwissenschaftler Esiaba Irobi (Ohio University).

Alles nur „Identity Talk“

Homi K. Bhabha bringt es schließlich auf den Punkt: Zu sehr nach „Identity talk“ klinge das alles. Damit sorgt der Harvard-Professor kurzzeitig für allgemeine Verblüffung – denn ging es nicht um Identität? Der Begriff sei nur noch eine Worthülse, zu vieles sei unter "Identität" zusammengefasst, was besser als eigenständige Kategorie behandelt werden sollte, erläutert Bhabha. Religionspolitik etwa. Damit man Identitätsprobleme nicht erst künstlich erschaffe, fordert er, den Begriff genauer aufzulösen. Nur ein Vorschlag des Think Tanks, um der Frage näherzukommen, wer wir eigentlich sind.