„Ensemble, on est plus fort! – Gemeinsam sind wir stärker!“

Das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin und das Institut d’Études Politiques de Paris (IEP) kooperieren seit 25 Jahren

17.02.2010

Dr. Sabine von Oppeln, Studiendekanin am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität, und Francis Vérillaud, Vizedirektor Sciences Po, koordinieren den deutsch-französischen Master-Studiengang
Dr. Sabine von Oppeln, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität, und Francis Vérillaud, Vizedirektor Sciences Po, koordinieren den deutsch-französischen Master-Studiengang Bildquelle: Jan Hambura

Der Startschuss für die Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität und dem renommierten Pariser Institut d’Études Politiques (IEP), kurz „Sciences Po“, fiel 1984. Ein Gespräch mit Dr. Sabine von Oppeln, Koordinatorin an der Freien Universität für das deutsch-französische Doppel-Masterprogramm, und Francis Vérillaud, Vizepräsident des IEP, über das gemeinsame Studienprogramm, Bologna-Konsequenzen und die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder.

Monsieur Vérillaud, wie ist die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität und Sciences Po entstanden?

Francis Vérillaud: Am Anfang war bestimmt die Freie Universität  treibende Kraft, das hatte damals mit engen persönlichen Kontakten zu tun. Kooperationen zwischen Universitäten waren zu jener Zeit noch selten, man arbeitete eher für sich. Das galt besonders für Sciences Po – eine Institution, die zu Beginn der 80er Jahre noch weit vom heutigen Anspruch der Internationalisierung entfernt war. In den letzten 25 Jahren hat sich die Welt von Grund auf verändert und damit die Anforderungen an die Hochschulbildung.

Sabine von Oppeln: Das hat unsere beiden Einrichtungen geprägt und unsere Zusammenarbeit. Wir mussten unser Studienprogramm immer wieder an die vielfältigen Reformen anpassen, die sich in beiden Ländern und an beiden Partnerinstituten – natürlich in höchst unterschiedlicher Weise – vollzogen haben. Insofern kann man es als ein „programme de réforme“ bezeichnen, als ein sich ständig weiterentwickelndes Programm.

Francis Vérillaud: Heute ist es so, dass wir – obwohl beide Einrichtungen sehr unterschiedlich aufgebaut sind und geleitet werden – dasselbe Ziel haben: Wir wollen gemeinsam in die Welt gehen.

Was bedeutet das genau?

Francis Vérillaud: Das heißt zunächst einmal, dass in unserem Doppel-Master-Programm Studenten aus aller Welt willkommen sind. Es werden zwar im Moment noch sehr gute Deutsch- und Französischkenntnisse vorausgesetzt. Wir planen aber, den Anteil englischsprachiger Kurse beträchtlich zu erhöhen oder längerfristig sogar ein englischsprachiges Programm einzuführen. Das mag zunächst eigenartig klingen für ein deutsch-französisches Studienprogramm, doch wir müssen uns für Studierende öffnen, die noch nicht über französische und deutsche Sprachkenntnisse verfügen.

Was hat sich seit den achtziger Jahren außerdem verändert?

Francis Vérillaud: Unsere heutigen Studierenden werden in ihrem Arbeitsleben vielleicht zehn bis fünfzehn Mal den Beruf wechseln. Darauf müssen wir reagieren, das heißt wandelbar bleiben und unser Programm anpassen.

Die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge im Rahmen der Bologna-Reform hat die Strukturen an deutschen Hochschulen stark verändert. Welche Konsequenzen hatte Bologna in Frankreich?

Francis Vérillaud: Hier muss man unterscheiden zwischen den staatlichen Universitäten einerseits und einer Einrichtung wie Sciences Po, die ihre Studenten immer schon selbst ausgewählt hat, andererseits. An den staatlichen Universitäten hat Bologna einen Modernisierungsprozess eingeleitet, der dem System sehr gut getan hat. Man hat gemerkt, dass Studienprogramme nicht unveränderlich sind, sondern ständig an die neuen Herausforderungen angepasst werden müssen. An Sciences Po haben wir schon vor Bologna mit der Neustrukturierung unserer Studiengänge begonnen. Dabei spielt die Vernetzung mit ausländischen Einrichtungen eine große Rolle. Wir bauen dabei keine Sciences-Po-Filialen auf, sondern kooperieren mit Einrichtungen in anderen Ländern, die ähnlich aufgebaut sind wie unsere. Seit vier Jahren gibt es beispielsweise eine Zusammenarbeit mit der École de Gouvernance et d’Économie (EGE) in Rabat in Marokko. Dort ist das dritte Studienjahr ein Pflichtauslandsjahr, wie an Sciences Po, das die Studierenden in Paris verbringen. 

Haben sich neben der Wissenslandschaft in den vergangenen 25 Jahren auch die Studierenden verändert?

Francis Vérillaud: Ja, sehr. Früher waren sie doch eher auf sich konzentriert, heute sind sie viel offener. Ihnen ist klar, dass Wissen und Kompetenz wesentlich sind, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Außerdem sind die Kontakte zwischen Lehrenden und Studierenden informeller geworden – durch Webblogs etwa oder soziale Netzwerke wie Facebook.

Für welche Jobs bildet der deutsch-französische Doppel-Master aus?

Francis Vérillaud: Unsere Absolventen arbeiten beispielsweise in der Politikberatung, in Stiftungen, in der Wissenschaft , in der nationalen Verwaltung, in internationalen Organisationen, in der EU, in NGOs, im Unternehmensbereich, in kulturellen Einrichtungen und den Medien – und das weltweit.

Sabine von Oppeln: Inzwischen gibt es knapp 400 Ehemalige unseres Programms. Seit 1995 haben wir eine Alumni-Vereinigung, die ebenfalls über eine deutsch-französische Struktur verfügt. Die Zweigstellen in Paris und Berlin, die dem jeweiligen nationalen Vereinsrecht entsprechen, sind über die automatische Mitgliedschaft im jeweils anderen Verein und einen gemeinsamen Vorstand eng miteinander verbunden. Das ist eine bislang recht einmalige Struktur. Der Verein arbeitet darüber hinaus eng mit den Alumnivereinigungen der Freien Universität und von Sciences Po zusammen.

Wie ist die deutsche Exzellenzinitiative in Frankreich wahrgenommen worden?

Francis Vérillaud: Das hat man sehr genau beobachtet. Die wichtigste Frage scheint mir die der Finanzierung zu sein: Wie geht es nach dem fünfjährigen Förderzeitraum weiter? Es sind überall neue Strukturen geschaffen worden und neue Zentren. Was aber vor allem zählt im internationalen Wettbewerb, sind kluge Köpfe: Wissenschaftliche Leistungen sind wichtiger als Gebäude. Hier muss man etwa abwarten, wie die Freie Universität sich in Folge der Auszeichnung als Exzellenzuniversität verändert hat.

Die Fragen stellte Christine Boldt