Freie Universität Berlin


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„Ich habe mich hasig gefühlt, aber trotzdem weiter gemacht.“

Junge Entrepreneure diskutierten an der Freien Universität über die „German Angst“ vorm Gründen

19.11.2009

Béa Beste, die die Privatschulen-Kette Phorms gegründet hat, nahm an der Veranstaltung ebenfalls teil.
Béa Beste, die die Privatschulen-Kette Phorms gegründet hat, nahm an der Veranstaltung ebenfalls teil. Bildquelle: PHORMS Management AG

„Hasig“ war ihr Wort für das flaue Gefühl im Magen, wenn sie mal wieder ein Risiko eingehen musste. Trotzdem hat Béa Beste, Mitgründerin und Vorstandsvorsitzende der PHORMS Management AG, an ihrer Idee festgehalten und führt heute ein Netzwerk von sieben PHORMS-Schulen in privater Trägerschaft.

Zum Konzept gehört, dass Kinder Raum haben, um „unternehmerisch“ zu werden. „Neugier und Eigeninitiative werden in der Kita, in der Schule und an der Uni noch zu wenig gefördert“, sagt Beste und sieht darin auch eine Ursache für die im internationalen Vergleich niedrige Gründungsquote in Deutschland.

Auf Einladung von profund, der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, und Inforadio vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) diskutierten junge Unternehmerinnen und Unternehmer und Professor Martin Gersch von der Freien Universität im Henry-Ford-Bau anlässlich der Global Entrepreneurship Week 2009 darüber, was beim Gründen hilft und wie Deutschland mehr Gründergeist entwickeln kann.

Eine speziell deutsche Angst, die hemmt

Wie der Einführungsvortrag zeigte, steht dem Schritt in die Selbstständigkeit oft eine speziell deutsche Angst im Weg: Jeder zweite Deutsche befürchtet, als Gründer zu scheitern. In den USA ist es nur jeder vierte. Martin Gersch beobachtet das auch bei seinen Studierenden am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft: Selbst wenn sie in „Schnupperkursen“ zum Entrepreneurship gute Erfahrungen gemacht hätten, wählten die meisten nach dem Abschluss doch lieber den Weg in ein großes etabliertes Unternehmen – mit sicherem Einkommen und sicherem Plus für den Lebenslauf.

Caveh Valipour Zonooz hat mit Unterstützung der Gründungsförderung profund die direktzu GmbH gegründet und mit seiner Idee, Software für die „Many-to-One-Kommunikation“ zu entwickeln, Politiker und Manager als Kunden gewonnen. Er sieht vor allem  die Familie in der Verantwortung für mehr Gründergeist: Wer statt Entrepreneurship nur Sicherheitsdenken vorgelebt bekomme, habe es sehr schwer, sich von diesen Konventionen und Erwartungen zu befreien.

Peggy Reichelt, die mit dem Portal abnehmen.net bereits die zweite Gründung betreibt, hat sich nach ihrem Abschluss mit 22 Jahren auch noch nicht getraut: „Ich hatte keine Erfahrung, kein Netzwerk und schon gar kein Selbstvertrauen.“ Nach einem Zweit-Studium zum Master of Business Administration (MBA) in Berkeley und Zürich und einigen Jahren Berufserfahrung war der Koffer mit Handwerkszeug gepackt und Reichelt wurde Unternehmerin. Ihr Rezept: Intensiver Austausch zwischen Unternehmern und Studierenden – nicht unbedingt nach Seminarplan, sondern in informellen Gesprächen –, so dass Gründungsinteressierte von Vorbildern und Erfahrungen profitieren können.

Über eins waren sich am Ende alle einig: Wer Entrepreneur werden will, solle unbedingt für seine Idee „brennen“. Denn diese Begeisterung sei das beste Mittel, die bevorstehenden Achterbahnfahrten zu meistern, sich gegen Erwartungen von außen und gegen den inneren Bedenkenträger durchzusetzen.

Das Gespräch wurde von Inforadio moderiert und aufgezeichnet und wird im Rahmen der Sendereihe „Apropos Wirtschaft“ am 22. November 2009 um 12.22 Uhr (Wiederholung 17.22 Uhr) ausgestrahlt.

Weitere Veranstaltungen der Business & Beer-Week von profund

  • Donnerstag, 19. November, 18.00 Uhr, Gründervilla, Altensteinstraße 44 b, 14195 Berlin
    Dr. Martin Kupp, European School of Management and Technology Berlin: "Strategie und Erneuerung in schnelllebigen Märkten"