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Lea, Eve, Bob und Tim in Graz

Die Fußball-Roboter der Freien Universität treten zur RoboCup WM 2009 an

26.06.2009

Die Fumanoide, Roboter der Freien Universität, rechnen per Funkverbindung aus, wie weit Torlinien und Gegner von ihnen entfernt sind.
Die Fumanoide, Roboter der Freien Universität, rechnen per Funkverbindung aus, wie weit Torlinien und Gegner von ihnen entfernt sind. Bildquelle: Freie Universität

Noch bis kurz vor dem Anstoß wurde an der Spieltechnik gefeilt. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Graz hat am Sonntag begonnen, und die Mannschaft der Freien Universität muss sich mit Spielern aus China, Japan, Iran und Brasilien messen. Die elf Trainer sind nervöser als die vier Spieler: Lea, Eve, Bob und Tim bleiben ganz ruhig und haben nur den Ball im Kopf.

Vom 29. Juni bis zum 5. Juli 2009 findet die Fußball-Weltmeisterschaft statt – im Roboterfußball. Seit drei Jahren nehmen die Sportskanonen der Freien Universität daran teil. Ein Jahr lang sind rund 15 Studierende damit beschäftigt, aus Robotern Fußball-Profis zu machen. Die meisten der Trainer sind Informatiker, aber auch zwei Elektrotechniker sind im Team. An den Robotern zu schrauben ist ein echter Fulltimejob: „Unsere Roboter trainieren viel, viel mehr als die richtigen Fußballspieler“, meint Trainerin Gretta Hohl.

Kniehohe Fußballprofis

Sie sind nur 60 Zentimeter groß, wiegen knapp fünf Kilogramm und jagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Zentimetern pro Sekunde dem Ball hinterher. Für die Spieler gilt es, Medaillen einzuheimsen in der kommenden Woche: Bei der WM 2007 kickten sich die flotten Roboter auf den 3. Platz. „Wir schätzen schon, dass wir auch in diesem Jahr wieder mit einer Medaille nach Hause kommen werden“, sagt Gretta Hohl.

Nur drei Roboter dürfen aufs Spielfeld, ein Spieler bleibt auf der Ersatzbank sitzen. Die Universitäts-Mannschaft reist nicht in der Business Class nach Graz, sondern mit leicht eingeschränkter Beinfreiheit im Aktenkoffer – und in den Autos ihrer Trainer. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr erregte das Team der Freien Universität am Flughafen großes Aufsehen und helle Freude, als es bei den Sicherheitskontrollen die Aktenkoffer öffnen musste, und Roboter mit Kameraaugen den Beamten zuzwinkerten.

Die Welt in Rosarot und Blau

Die Köpfe der Roboter verfügen über einen ganz speziellen Farbkasten: Lea, Eve, Bob und Tim nehmen Ball, Tor und Mitspieler per Videokamera-Augenpaar wahr und scannen ihre Umgebung nach Farben ab. Die eigenen Trikots sind rosarot, die Tore blau und die Feldlinien weiß markiert. Die Videodaten werden von einem kleinen Rechner verarbeitet, der am Kopf angebracht ist. Die Roboter rechnen dann per Funkverbindung aus, wie weit Torlinien und Gegner von ihnen entfernt sind und koordinieren so ihre Aktionen auf dem Spielfeld.

Fairness ist auch im Roboterfußball oberstes Gebot: Wer pfuscht, dem wird die gelbe oder die rote Karte gezeigt. Auch Elfmeter verhindern, Tore schießen und Bälle einwerfen gehören zum spielerischen Können. Nach 20 Minuten ist Halbzeit, und die Roboter können ihre 22 Bewegungsmotoren ein wenig abkühlen lassen. Auch für die Trainer ist dann Verschnaufpause. „Wir fiebern während des Spiels die ganze Zeit mit, wir ärgern uns, wenn einer unserer Roboter einen Fehler macht und schauen uns natürlich auch an, wie andere Roboterteams spielen“, sagt Hohl.

Die Freie Universität ist seit 1999 ein Trainingscamp für Roboterfußball. Bereits zum elften Mal in Folge nehmen Studierende der Freien Universität an der Weltmeisterschaft teil – in den Anfangsjahren bewegten sich die Roboter allerdings noch auf Rollen und nicht auf eigenen Füßen.