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Warten auf Gerechtigkeit

Fotoausstellung in der Universitätsbibliothek der Freien Universität über die Chemiekatastrophe in Bhopal von 1984

24.06.2009

Ein Foto der Ausstellung, das die Proteste in Bhopal nach der Katastrophe zeigt
Ein Foto der Ausstellung, das die Proteste in Bhopal nach der Katastrophe zeigt Bildquelle: Ranghu Rai, Greenpeace
Besucherinnen bei der Ausstellungseröffnung in der Universitätsbibliothek
Besucherinnen bei der Ausstellungseröffnung in der Universitätsbibliothek Bildquelle: Tomasz Kurianowicz

25 Jahre ist es her, dass 7000 Menschen im nordindischen Bhopal durch die aus einer Chemiefabrik ausgetretenen tödlichen Industriegase vergiftet wurden. Um das Ausmaß dieses schweren Unfalls und die Versäumnisse der Verantwortlichen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückzuholen, hat die Amnesty International Hochschulgruppe der Freien Universität eine umfangreiche Fotoausstellung konzipiert.

Es war eine historisch einmalige und folgenschwere Katastrophe, die sich am 2. Dezember 1984 im nordindischen Bhopal ereignet hat: Tonnen hochgiftiger Industriegase konnten in dieser Nacht aus einer Chemiefabrik des US-Unternehmens Union Carbide Corporation entweichen. Sie vergifteten die Bevölkerung und die Umwelt der ganzen Region in unvorstellbarem Ausmaß. Die Bilanz des Unfalls ist dementsprechend erschütternd: 7000 Menschen erlagen in der Nacht ihren Vergiftungen, 20000 Menschen starben an den verheerenden Spätfolgen. Und selbst heute noch sind die Bewohner Bhopals von gesundheitlichen Schäden und Verschmutzungen des Trinkwassers betroffen.

Auffällig ist: 1984 traf diese von verantwortungslosen Industriellen verursachte Katastrophe die Weltöffentlichkeit bis ins Mark, heute jedoch kann sich kaum jemand an den schrecklichen Unfall von Bhopal erinnern. 25 Jahre nach dem humanitären Desaster hat die Amnesty International Hochschulgruppe der Freien Universität Berlin eine Fotoausstellung mit dem Titel "Bhopal 1984 – die Chemiekatastrophe. 25 Jahre Warten auf Gerechtigkeit" konzipiert, um auf die Umstände, die ungenügende medizinische Betreuung der Opfer, die noch heute ausstehende Säuberung der Umwelt und auf die Versäumnisse der Verantwortlichen aufmerksam zu machen. Im Foyer der Universitätsbibliothek der Freien Universität geben eindrucksvolle Fotografien, Zeitungsartikel und von den Ausstellungsmachern konzipierte Informationstafeln Auskunft über die fatalen Folgen des Chemieunfalls.

Daniel Spaude und Katrin Strohmaier haben die Ausstellung mit anderen Mitgliedern der Hochschulgruppe und in Kooperation mit Greenpeace vorbereitet und verwirklicht. Die Motivation dafür lag im fortschreitenden Verdrängungsprozess und der geringen öffentlichen Wahrnehmung der Katastrophe: „Wir wollten am 25. Jahrestag Aufmerksamkeit schaffen. Dieses Thema ist so unheimlich wichtig, dabei wissen vor allem junge Menschen noch nicht einmal, dass dieser Unfall überhaupt stattgefunden hat“, sagt die Publizistikstudentin Katrin Strohmaier. „Es war ein Glücksfall, dass wir Frau Susanne Rothe von der Universitätsbibliothek kennengelernt haben. Wir durften die Räume der Bibliothek nutzen, wurden bei der Umsetzung beraten und haben von den guten Bedingungen unheimlich profitiert. Jeden Tag laufen sehr viele Menschen durch das Foyer der Universitätsbibliothek. Das schafft Öffentlichkeit“, freut sich Amnesty-Mitglied Daniel Spaude, Informatik-Student an der Freien Universität. Außerdem haben die Studenten eine Petition im Foyer ausgelegt, die von Besuchern unterschrieben werden kann, die die Forderungen von Amnesty International unterstützen.

Das Engagement der Studenten ist nicht nur auf die Ausstellung beschränkt. Mit regelmäßigen Aktionen versucht die Amnesty-International-Hochschulgruppe auf Missstände im In- und Ausland, insbesondere auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufmerksam zu machen. Dabei gehören Vorträge und Diskussionsabende zum festen Bestandteil des Programms. An der Freien Universität haben besonders die "Human Rights Lectures" eine beachtliche Popularität erlangt. Die Vorträge, die prominente Redner zum Thema Menschenrechte halten, finden jedes Sommersemester mit einem neuen Schwerpunkt statt. Dieses Semester geht es - passend zur Ausstellung - um die „menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen im 21. Jahrhundert“.

Weitere Informationen

"25 Jahre warten auf Gerechtigkeit. Die Chemiekatastrophe von Bhopal." Fotoausstellung im Foyer der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, Garystr. 39, 14195 Berlin (U-Bahnhof Thielplatz, U 3). Die Ausstellung ist noch bis zum 2. September 2009, montags bis freitags, 9.00 bis 20.00 Uhr zu sehen. Im Internet: www.ub.fu-berlin.de/service_neu/ausstellung