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Eine neue Sichtweise gewinnen

Die Ausstellung „Mathema“ im Deutschen Technikmuseum fasziniert die Besucher

02.01.2009

Muster, die sich nie wiederholen: Penrose-Riesen-Puzzle am Tag der Mathematik in Dahlem
Muster, die sich nie wiederholen: Penrose-Riesen-Puzzle am Tag der Mathematik in Dahlem Bildquelle: Stephan Töpper

Die Brachistochrone findet Justus faszinierend: Der 13-Jährige wird nicht müde, immer wieder zwei Kugeln die identischen Kurven hinunterrollen zu lassen. Ganz gleich, an welcher Stelle der Bahn er die Kugeln einsetzt – ob oben oder kurz vor dem Ende –, sie benötigen immer dieselbe Zeit, um unten anzukommen.

Das ist das Besondere an der Brachistochrone: Sie beschreibt nicht nur die Bahn, auf der eine Kugel am schnellsten hinabgleitet, sie ist auch so angelegt, dass die Kugel von jedem Punkt aus die gleiche Zeit bis zum Endpunkt benötigt. So steht es im Begleittext - aber Justus mag es noch immer nicht glauben: Er versucht, die Kurve zu überlisten.

Die Ausstellung „Mathema“ im Deutschen Technikmuseum am Gleisdreieck bietet eine Fülle solcher Experimente. Im „Jahr der Mathematik“ führt sie die Faszination dieser Wissenschaft unter dem Titel „Ist Mathematik die Sprache der Natur?“ selbst hartnäckigen Zahlenskeptikern auf anschauliche und oft greifbare Weise vor Augen. „Die Zusammenarbeit mit Professor Ehrhard Behrends vom Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität hat die Ausstellung in ihrer Breite möglich gemacht. Hier kamen mathematisches Fachwissen und museale Expertise zusammen“, sagt Hadwig Dorsch, leitende Kuratorin der Ausstellung. Viele Besucher hätten beim Verlassen der Ausstellung erklärt, eine neue Sichtweise auf die Mathematik gewonnen zu haben, berichtet sie.

Vier Themenräume warten auf den Besucher: Der Raum „Zahl“ widmet sich der Geschichte des Rechnens und der Kryptographie: Eine historische Enigma-Verschlüsselungsmaschine ist dort ebenso ausgestellt wie ein Doppelrad, um den Cäsar-Code zu knacken. An anderer Stelle lässt sich überprüfen, dass der eigene Bauchnabel stets im Verhältnis des „Goldenen Schnitts“ zur Körpergröße liegt. Frühe Rechenbretter beweisen, dass schon vor Jahrhunderten mechanische Rechenerleichterungen ersonnen wurden, und eine Tafel zum dualen Zahlensystem führt in die Grundlagen der Computer ein. Im „Geometrie“-Raum lässt sich mit dem Maßband nachprüfen, dass Weltkarten immer schwindeln: Wenn man einen dreidimensionalen Globus auf einer zweidimensionalen Fläche abbildet, stimmen entweder die Winkel oder die Flächen. Mit Peilgeräten und Gradmessern lernen die Besucher etwas über die Vermessung der Welt. Deutlich abstrakter ist der Raum „Funktionen“: Hier lassen sich Graphen erlaufen und Sinus-Funktionen hören. Beim simulierten Flug über Wien steuern Kinder wie Erwachsene den Computer mit Schmetterlings- oder Adlerflügeln. Im „Zufalls“-Raum schließlich darf nicht nur Roulette gespielt werden: Auf Tafeln und in Filmen wird auch erklärt, warum die Chance auf einen Sechser im Lotto ebenso hoch ist, als wollte man auf dem Weg von Berlin nach Cottbus einen Punkt zentimetergenau treffen, oder die Frage, warum sich das Casino nicht überlisten lässt.

Die Kooperation des Deutschen Technikmuseums mit Mathematikern der Freien Universität wird von der Deutschen Telekom Stiftung finanziell unterstützt. Deren Vorsitzender, Ex-Außenminister Klaus Kinkel, begründet das Engagement: „Für Mathematik begeistern kann man nur, wenn man die Bedeutung der Mathematik anschaulich vermittelt. Das schafft Mathema hervorragend. Vor allem die Ansprache von Kindern und Jugendlichen ist sehr gut gelungen.“ Dem würde Justus sicher zustimmen – wenn er sich von der Brachistochrone lösen könnte.