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Mit Big Data gegen Arbeitsstress

Team „Dearemployee“ gewinnt einen von drei Hauptpreisen im Ideenwettbewerb Research to Market Challenge

05.08.2016

Dr. Amelie Wiedemann und Daniel Fodor haben mit ihrem Team "Dearemployee" einen der drei Hauptpreise des Ideenwettbewerbs "Research to Market Challenge" gewonnen.
Dr. Amelie Wiedemann und Daniel Fodor haben mit ihrem Team "Dearemployee" einen der drei Hauptpreise des Ideenwettbewerbs "Research to Market Challenge" gewonnen. Bildquelle: Bayer AG
Insgesamt 34 Einreichungen hatte die Jury zu bewerten - ausgezeichnet wurden die besten Ideenskizzen in den Kategorien IKT, Medien-und Kreativwirtschaft sowie Gesundheitswirtschaft.
Insgesamt 34 Einreichungen hatte die Jury zu bewerten - ausgezeichnet wurden die besten Ideenskizzen in den Kategorien IKT, Medien-und Kreativwirtschaft sowie Gesundheitswirtschaft. Bildquelle: Bayer AG

„Ich bin völlig überrascht, dass wir gewonnen haben“, sagt Amelie Wiedemann. „Die anderen Teilnehmer waren so unglaublich gut, dass ich nicht mit dem ersten Platz gerechnet habe.“ Im Team mit Daniel Fodor wurde die promovierte Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs Gesundheitspsychologie der Freien Universität im Ideenwettbewerb Research to Market Challenge mit einem Preisgeld von 1500 Euro ausgezeichnet. Gesucht waren die besten Verwertungsideen für Forschungsergebnisse von Studierenden und Wissenschaftlern der Freien Universität, der Charité – Universitätsmedizin Berlin und kooperierender Forschungseinrichtungen in den Kategorien Informations- und Kommunikationstechnik (IKT)-, Medien- und Kreativwirtschaft sowie Gesundheitswirtschaft.

Und obwohl es bei der Geschäftsidee von „Dearemployee“ um die psychische Gesundheit von Mitarbeitern im Unternehmen geht, hat ihr Projekt die Jury in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnologie überzeugt. „Wir wollen Big Data-Anwendungen nutzen, um psychische Gefährdungen im Unternehmen zu identifizieren“, erklärt die Psychologin.

Durch das Arbeitsschutzgesetz sind Arbeitgeber in Deutschland seit 2014 dazu verpflichtet, eine Bestandsaufnahme möglicher Gefährdungen für die Psyche ihrer Mitarbeiter durchzuführen und notfalls Abhilfe zu schaffen. Wiedemann, Fodor und ihr Team wollen für diese Aufgabe Data-Mining-Verfahren – also die Anwendung von Methoden zum Erkennen von Informationen und Mustern in großen Datenmengen  – und maschinelles Lernen einsetzen. „Wir führen Online-Befragungen zu potenziell belastenden und fördernden Faktoren bei der Arbeit durch und erfassen relevante Kennzahlen wie Überstunden und den Krankenstand. Die Daten fließen – selbstverständlich anonymisiert – in einen Datenpool, wo wir sie mit Mustern anderer, bereits analysierter Unternehmen vergleichen können.“

So erkennt die Software von „Dearemployee“ Risiken, aber ebenso Ressourcen für die psychische Gesundheit. Auch passende Maßnahmen soll das System gleich vorschlagen – am besten von bereits geprüften Anbietern. „Damit legen wir jetzt richtig los“, sagt Wiedemann. Es braucht einige Kunden, bis so ein Datenpool gefüllt sei.

Wiedemann und Fodor wollen gründen

Zwar waren für den Wettbewerb zunächst nur Ideenskizzen gefragt, doch die Wissenschaftlerin hat genaue Vorstellungen, wie es weitergehen soll. Mit Unterstützung von Profund Innovation will das Gewinnerteam ein EXIST-Gründerstipendium beantragen. Wenn alles klappt, können sie ein Jahr lang mit Förderung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Gründungsprojekt vorantreiben. „Auf der Preisverleihung haben wir tolle Kontakte geknüpft“, berichtet Wiedemann.

So hätten ihr Vertreter der Wettbewerbssponsoren – Bayer Pharma, Stiftung Charité, CMS Hasche Sigle, IBB Beteiligungsgesellschaft und Netzwerk Unternehmertum der Freien Universität – bereits wertvolle Tipps gegeben. Auch die lockere, aber professionelle Atmosphäre der Gespräche habe ihr gefallen. Für den Schritt von der Wissenschaft und die Wirtschaft fühlt sie sich gut gerüstet: „Wir haben die Idee schon länger im Kopf und im Rahmen unserer Forschung daran gearbeitet. Außerdem kann ich Netzwerke und Know-how auf dem Campus nutzen – etwa zum Thema Datenschutz oder Unternehmensgründung. Und durch die Auszeichnung haben wir noch einen Energieschub bekommen.“

 

Weitere Informationen

Im Ideenwettbewerb Research to Market Challenge der Freien Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind sechs weitere Projekte auszeichnet worden: Den mit 1000 Euro dotierten zweiten Preis im Wettbewerb für IKT-, Medien- und Kreativwirtschaft nahm das Team „FROGO AD“ entgegen; mit dem mit 500 Euro dotierten dritten Platz wurde „TrustReflex“ ausgezeichnet.

Prämiiert wurden außerdem die besten Ideen für die Gesundheitswirtschaft: Der erste Preis über 1500 Euro ging an das Team „GrOwnValve“, den zweiten Preis und 1000 Euro erhielt „BlueSwarm“, auf dem mit 500 Euro dotierten dritten Platz folgte „AquaVax“. Einen Sonderpreis des Netzwerks Unternehmertum der Freien Universität Berlin über 1500 Euro erhielt das Team „H2Solar“. Insgesamt hatte die Jury 34 Einreichungen zu bewerten. Je zehn Teams der Branchen IKT-, Medien-, Kreativwirtschaft und Gesundheitswirtschaft konnten ihre Konzepte in einem Workshop mit Experten verbessern und für die Endrunde einreichen.

Die nächste Runde der Research to Market Challenge findet voraussichtlich 2017 statt. Wer in der Zwischenzeit Beratung und Unterstützung für eine forschungsbasierte Geschäftsidee benötigt, wendet sich an: Profund Innovation, Anke Fischer, Telefon: +49 30 838 73 637, E-Mail: anke.fischer@fu-berlin.de