Kleine Klappe, viel dahinter

Ein mechanischer Briefmelder und zwei weitere erfolgreiche Geschäftsideen von Studierenden sind im 20. Funpreneur-Wettbewerb der Freien Universität ausgezeichnet worden

18.07.2016

Sie haben Post! Die Idee eines mechanischen Briefmelders ist beim Funpreneur-Wettbewerb mit dem ersten Platz ausgezeichnet worden.
Sie haben Post! Die Idee eines mechanischen Briefmelders ist beim Funpreneur-Wettbewerb mit dem ersten Platz ausgezeichnet worden. Bildquelle: istockphoto / stevebphotography
1. Platz für HeyMail: Lucas Gaffron, Friedgard Schütze, Leander Modersohn.
1. Platz für HeyMail: Lucas Gaffron, Friedgard Schütze, Leander Modersohn. Bildquelle: Ricarda Spiegel / WJB Wirtschaftsjunioren Berlin e.V
Alle ausgezeichneten Gründer-Teams: HeyMail, Mamigi, Oatful Day, Let’s start together, Care to go.
Alle ausgezeichneten Gründer-Teams: HeyMail, Mamigi, Oatful Day, Let’s start together, Care to go. Bildquelle: Ricarda Spiegel / WJB Wirtschaftsjunioren Berlin e.V

„Eine typische Funpreneur-Idee: einfach, aber kreativ, innovativ und innerhalb kurzer Zeit umsetzbar“ – so lautete das Urteil der Jury, die das Projekt „HeyMail“ auf den mit 1.200 Euro dotierten ersten Platz im Funpreneur-Wettbewerb wählte. Die Preise wurden im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Wettbewerbs in den Geschäftsräumen der IHK Berlin übergeben. Gefeiert wurde zugleich das zehnjährige Jubiläum des Wettbewerbs, bei dem bereits mehr als tausend Studierende ihre unternehmerischen Fähigkeiten erprobt haben.

„Vor zehn Jahren war Berlin noch weit davon entfernt, die deutsche Start-up-Hauptstadt zu werden“, betonte Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, in seiner Begrüßungsrede. Aber schon damals hätten kluge Menschen auf dem Campus in Dahlem den Gründergeist der Studierenden gefördert. Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin, wies darauf hin, dass Entrepreneurship inzwischen in vielen Fachbereichen zum Lehrangebot gehöre. „Geschult wird dabei unter anderem der Blick für die Lücke: Unternehmer – aber auch Wissenschaftler – müssen erkennen, wo es noch Leerstellen gibt und damit Raum, eigene Ideen zu entwickeln und sie erfolgreich zu machen.“

Den Blick für die Lücke hatten auch Leander Modersohn, Friedgard Schütze und Lucas Gaffron, als sie sich „HeyMail“ ausdachten: Mit dem verblüffend einfachen mechanischen Briefmelder sieht man schon vor dem Öffnen, ob Post im Briefkasten gelandet ist und es sich lohnt, nach dem Briefkastenschlüssel zu suchen. „Kleine Klappe – viel dahinter“ lautet ihr Werbeslogan für das Metallscharnier, das erst dann von außen zu sehen ist, wenn der Zusteller die Briefkastendeckel angehoben hat. Zum Preis von je 4,90 Euro hat das Team während des Wettbewerbs rund 40 Exemplare aus eigener Herstellung verkauft, bald soll der kleine Helfer in Massenproduktion gehen. Auch als Werbeartikel will das Team ihn vermarkten: „Die Deutsche Post oder PIN Mail könnten Interesse daran haben, den Briefmelder mit ihrem Logo in Umlauf zu bringen“, sagt Leander Modersohn.

Mamigi-Poncho schützt vor Milchbäuerchen

Julia Skopp und Franziska Zander haben den mit 800 Euro dotieren zweiten Platz belegt. Auch sie lösen mit ihrem Produkt ein Alltagsproblem: Inspiriert hat sie eine Freundin, die gerade Mutter geworden ist. Sie war es leid, sich jedes Mal umzuziehen, wenn das Milchbäuerchen ihres Sohnes mal wieder auf ihrer Kleidung gelandet war. Abhilfe schafft der Mamigi-Poncho, der schnell übergestreift ist, nicht verrutscht und auch noch Sichtschutz beim Stillen bietet. In Babyläden und im Bekanntenkreis kam er so gut an, dass die Philologie-Studentinnen ihre Geschäftsidee nach dem Wettbewerb fortführen wollen. „Wir glauben an unser Produkt“, sagt Julia Skopp. „Deswegen sehen wir uns jetzt nach Nähereien um, die künftig die Produktion übernehmen können.“

Über Platz drei und einen Scheck im Wert von 500 Euro freuten sich Flavio Mejia Morelli, Tim Lehmann, Myrna Hantke und Lisa Zhao von „Oatful Day“: Zum Preis von 2,50 Euro bieten sie gestressten Studierenden und anderen Interessierten ein gesundes Frühstück für unterwegs: eine Mischung aus Haferflocken, Trockenfrüchten und anderen gesunden Zutaten, sogenannten Superfoods, fertig portioniert in einer kompostierbaren, verschließbaren Schale. Mit etwas heißem Wasser wird daraus eine warme, vegane Morgenmahlzeit. In Cafés rund um die Freie Universität haben die Funpreneure ihre Geschmacksvarianten Apfel-Dattel-Zimt, Schoko-Kirsch-Chia und Mango-Passionsfrucht-Leinsamen in wenigen Tagen mehr als 300 Mal verkauft.

Sonderpreis für Social Entrepreneurship

Zum zehnjährigen Jubiläum lobte das Netzwerk Unternehmertum der Freien Universität Berlin (NUFUB) zusätzlich einen mit 500 Euro dotierten Sonderpreis für Social Entrepreneurship unter den Teilnehmern aus. Ausgezeichnet wurden zwei Teams, die sich das Preisgeld teilen: „Let’s start together“ organisiert Workshops für Flüchtlingskinder an Grundschulen. „Care to go“ sammelt Spenden und finanziert damit Beutel mit Hygieneprodukten für Obdachlose in Berlin.

Weitere Informationen

Ausgerichtet wird der Funpreneur-Wettbewerb einmal im Semester von Profund Innovation, der zentralen Service-Einrichtung für den Wissens- und Technologietransfer in der Abteilung Forschung der Freien Universität Berlin. In Kompaktkursen über Marketing, Recht und Vertrieb bereiten sich die Teilnehmer vor; anschließend gründen sie mit fünf Euro Startkapital ein Unternehmen auf Zeit und setzen ihre Ideen binnen fünf Wochen um. Dabei werden sie von Wirtschaftspaten der Wirtschaftsjunioren Berlin unterstützt. Die nächste Runde startet am Dienstag, 25. Oktober 2016. Auch sie ist offen für Studierende aller Berliner Hochschulen.

Anmeldungen

Anmeldungen zum 21. Funpreneur-Wettbewerb im Wintersemester 2016/2017 richten Sie bitte an Britt Perlick, Profund Innovation, E-Mail: britt.perlick@fu-berlin.de, Telefon: 030 838-73636