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Besser Gründen in Netzwerken

Masterseminar bringt BWL-Studierende der Freien Universität und Unternehmensgründer zusammen

10.06.2016

Das Seminar „Unternehmertum in Netzwerken: Gründen in einem wissenschaftsbasierten Feld“ bringt Gründer und Studierende zusammen: Frank Lerch, Jörg Sydow, Thomas Schmidt, Felix Evert, Valentin Blattner, Philipp Eberhard und Carolin Auschra (v.l.n.r.)
Das Seminar „Unternehmertum in Netzwerken: Gründen in einem wissenschaftsbasierten Feld“ bringt Gründer und Studierende zusammen: Frank Lerch, Jörg Sydow, Thomas Schmidt, Felix Evert, Valentin Blattner, Philipp Eberhard und Carolin Auschra (v.l.n.r.) Bildquelle: Milena Schmiedhoff

Viele Forschungsergebnisse ließen sich auch in der Wirtschaft vermarkten. Die Freie Universität unterstützt Studierende, Doktoranden und Postdocs dabei, aus ihren Ideen und Erfindungen Geschäftsmodelle zu entwickeln und eigene Unternehmen zu gründen. Damit das gelingt, brauchen Start-ups neben innovativem Spezialwissen auch betriebswirtschaftliches Know-how und Kontakte in dem Umfeld, in dem sie ihre Dienstleistungen oder Produkte anbieten wollen. Kurz: Sie brauchen ein Netzwerk. Wie man das aufbaut, entwickeln Masterstudierende am Management-Department der Freien Universität derzeit gemeinsam mit Gründern.

Das Seminar „Unternehmertum in Netzwerken: Gründen in einem wissenschaftsbasierten Feld“, das in diesem Semester zum zweiten Mal im Masterstudiengang Management & Marketing angeboten wird, bringt Gründer aus anderen, oft geistes- oder naturwissenschaftlichen Studien­fächern mit angehenden Betriebswirten zusammen. Davon profitieren beide Seiten: Die Gründer werden beraten, die Studierenden können ihr theoretisches Wissen in der Praxis testen – und überlegen, ob sie selber gründen wollen.

Im Seminar arbeiten jeweils zwei bis drei Masterstudierende mit einem Gründer oder einer Gründerin zusammen. Gemeinsam entwickeln sie eine Netzwerkstrategie: Das heißt, dass gemeinsam geklärt wird, was das neue Unternehmen selbst leisten kann und in welchen Bereichen es von einer Kooperation mit Partnern profitieren würde. „Das Netzwerk ist häufig der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Thomas Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Management-Department der Freien Universität, der das Seminar gemeinsam mit Jörg Sydow, Professor für Unternehmenskooperation, anbietet.

Proben für eigene Experimente schnell und zuverlässig beschaffen

Einer der Gründer ist Felix Evert. Evert, der an der Freien Universität Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert hat und bereits fünf Jahre beim Berliner Wissenschaftsverlag de Gruyter beschäftigt war, hat mit einem Kollegen die Internetplattform „Sample of Science“ aufgebaut. Sie ermöglicht es Chemikern, forschungsrelevante Substanzen und Materialproben – sogenannte Samples – auszutauschen.

Die Nutzung von Samples war bisher von persönlichen Kontakten abhängig, die Beschaffung der Proben oft zeitintensiv. Über „Sample of Science“ können Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nun ihre Materialproben für weiterführende Experimente nach wissenschaftlichen Standards zitierfähig publizieren. Die Anbieter sind daran interessiert, dass ihre Samples aufgegriffen und in neuen Veröffentlichungen zitiert werden; die Empfänger wiederum können die benötigten Proben für eigene Experimente schnell und zuverlässig beschaffen.

„Wissenschaftler haben sehr gute Netzwerke in ihrer Community, häufig fehlt ihnen aber der Kontakt zu industriellen Partnern und Kunden“, sagt Schmidt. Sie „ticken“ oft anders als jemand, der in der freien Wirtschaft beschäftigt ist: „Wissenschaftler teilen ihre Ergebnisse miteinander, ihre Zusammenarbeit beruht auf Gegenseitigkeit.“ Beim wissenschaftsbasierten Gründen gehe es allerdings auch darum, einen Wissensvorsprung auszubauen: „Wir wollen hier beide Perspektiven zusammenbringen“, sagt Thomas Schmidt.

Kooperationen zum beidseitigen Vorteil

Risikokapitalgeber wie der High-Tech Gründerfonds und auch PROFUND INNOVATION, die Gründungsförderung der Freien Universität, helfen den jungen Unternehmern, Kontakte zur Industrie zu knüpfen. Außerdem unterstützt OptecBB e.V. (Optische Technologien Berlin-Brandenburg) die Durchführung des Seminars, denn wichtige wissenschaftsbasierte Gründungen der Region entstehen bereits seit längerem im Feld der optischen Technologien.

„‚Sample of Science‘ ist ein digitales Werkzeug, das – anders als andere Gründungsprojekte, an denen im Seminar gearbeitet wird – bereits existiert“, sagt Felix Evert. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, Wissenschaftler mit der Nutzung der Plattform vertraut zu machen. Gemeinsam mit den Masterstudenten Philipp Eberhard und Valentin Blattner hat Evert die Zielgruppe Materialchemiker analysiert und überlegt, wie „Sample of Science“ sie am besten erreichen kann. „Wissenschaftler sind sehr stark auf ihre tägliche Labor- und Publikationstätigkeit ausgerichtet. Diesen Fokus wollen wir mit den klassischen Marketinginstrumenten nicht stören“, sagt Eberhard. „Deshalb wird ‚Sample of Science’ nicht direkt an sie herantreten, sondern über ein Netzwerk der angesehensten Fachgesellschaften in Europa.“

So entstehen Kooperationen zum beidseitigen Vorteil: Fachgesellschaften verfügen über etablierte Kommunikationsformate, etwa Mitgliederzeitschriften, während „Sample of Science“ den Forschungsprozess der Mitglieder verbessern kann. Die Arbeitsgruppe hat ein Ranking der relevanten Gesellschaften erstellt und einen mehrstufigen Kommunikationsplan entwickelt, um mit den Entscheidern zielstrebig Kontakt aufnehmen zu können. „Das ist unsere Gelegenheit, unser theoretisches Wissen von einem Marketingmodell in die Praxis umzusetzen“, sagt Blattner.

Andere Gründungsprojekte entstehen in den Bereichen Automobilindustrie, Biotechnologie, Finanztechnologie, Informationstechnik im Gesundheitswesen (Electronic Health) und optische Technologien. „Es ist sehr hilfreich für mich, dass Valentin und Philipp mit ihren Erfahrungen im Industriesektor einen gänzlich anderen Hintergrund haben als ich“, sagt Felix Evert. „Dieser Blick von außen hilft mir sehr.“