Freie Universität Berlin


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Vom Habitus der Innovation

An der Freien Universität entsteht ein Technologie- und Gründungszentrum – einer von mehreren „Zukunftsorten“ in Berlin

26.05.2016

Franzke und Alt im Panel
Stefan Franzke von der Geschäftsführung der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH spricht bei der Dikussionsveranstaltung in Adlershof Bildquelle: Jonas Huggins
Blick in die Zukunft: Das ehemalige US-Militärhospital soll ab 2018 saniert und 2020 als FUBIC (in der Simulation das Quergebäude in der Flucht des Bildes) wiedereröffnet werden.
Sprung ins Jahr 2020: So sollen der Zukunftsort FUBIC und seine Nachbargebäude aussehen. Bildquelle: Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbH / Montage: Bernd Wannenmacher
Alt und Turner
Universitätspräsident Peter-André Alt (links) im Gespräch mit dem Herausgeber des Tagesspiegels Sebastian Turner Bildquelle: Jonas Huggins

Mehr als 1000 Unternehmen haben sich in den vergangenen 15 Jahren in Berlin-Adlershof angesiedelt, knapp 16.000 Arbeitsplätze sind so entstanden. Einen „Ort der Zukunft“ nennen ihn seine Betreiber. Das Erfolgsrezept ist eine enge Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft. Das soll es auch an der Freien Universität geben: Voraussichtlich Ende 2020 eröffnet das „Business and Innovation Center next to Freie Universität Berlin Campus“, kurz FUBIC. Bei einer Podiumsdiskussion in Adlershof unterstrich Universitätspräsident Peter-André Alt die Bedeutung des Projekts.

Wenn in China Solarenergie ausgebaut wird, profitiert davon ein kleines Unternehmen aus Berlin. Die Hochtechnologiefirma Sentech Instruments GmbH produziert Messgeräte für besonders dünne Beschichtungen, die für die Qualitätskontrolle an Photovoltaik-Anlagen notwendig sind. Mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigt Sentech. Die Firma profitiert von einem engen Kontakt zu Universitäten. „Wir können keine Forschung betreiben“, sagt der Geschäftsführer Albrecht Krüger. „Aber wir können Ideen aus der Forschung in Produkte umsetzen.“

Genau für diesen Schritt der Umsetzung braucht es einen „Zukunftsort“ wie Adlershof, an dem sich die Labore von Sentech befinden. Dort kommt vieles zusammen: Zahlreiche Hochtechnologiefirmen, darunter viele junge Start-ups, eine gute Infrastruktur, und der Adlershofer Campus der Humboldt-Universität.

Ein Zukunftsort auch bald in Dahlem

Bis 2020 entsteht ein ähnlicher Ort auch an der Freien Universität: Das ehemalige US-Militärhospital in der Dahlemer Fabeckstraße wird zu einem Technologie- und Gründungszentrum umgebaut. Auf 50.000 Quadratmetern Fläche werden etwa 80 Unternehmen mit bis zu 700 Mitarbeitern Platz finden. Der große Standortvorteil: Die unmittelbare Nähe zur Freien Universität mit ihren Forscherinnen und Forschern, einem leistungsfähigen Rechenzentrum und gut ausgestatteten Labors.

Mit dem Projekt betreut ist die WISTA-Management GmbH, die für das Land Berlin bereits Adlershof zum Erfolg verholfen hat. Anlässlich der Pensionierung ihres langjährigen Geschäftsführers Hardy Schmitz hat die Verwaltungsgesellschaft kürzlich eine Diskussion darüber veranstaltet, was ein solcher Zukunftsort braucht.

Die Verzahnung von Wissenschaft und Gründerszene käme beiden zugute, der Wirtschaft genauso wie der Universität, betonte Peter-André Alt. Es gehe darum, einen bestimmten Habitus zu transportieren, der Lust auf Innovation mache. Der Präsident der Freien Universität erzählte von einem Berufungsgespräch mit einem Physikprofessor, der sagte, er brauche drei Elektronenmikroskope, die sehr teuer in der Anschaffung seien. Der Physiker schlug deswegen vor, nur ein Mikroskop zu kaufen – und die anderen beiden nachzubauen, was erlaubt sei. „Das ist ein unternehmerischer Ansatz“, sagte Peter-André Alt.

Den unternehmerischen Geist nutzen

Es sei wichtig, Ausgründungen zu ermöglichen, um den unternehmerischen Geist zu nutzen und Forschungsergebnisse zu verwerten, sagte der Universitätspräsident. FUBIC werde dafür ein attraktives Gelände zur Verfügung stellen. Profund Innovation, die Gründungsförderung der Freien Universität, wird zudem das Nachbargebäude des ehemaligen Militärhospitals beziehen, um dort Start-ups gezielt betreuen zu können – etwa bei Patentanmeldungen oder der Akquise von Drittmitteln.

Zukunftsorte wie Adlershof und FUBIC spielen auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung Berlins. Sebastian Turner, Herausgeber des Tagesspiegels und Gründer der Falling-Walls-Konferenz, berichtete von einem Gespräch mit Eric Schmidt, dem Vorsitzenden von Google. Eric Schmidt habe in Europa keinen Ort nennen können, der wie Silicon Valley in den USA Hightech-Firmen anziehe. „Wenn eine solche Person auf einen ganzen Kontinent guckt und keinen Schwerpunkt sieht, dann ist das auch eine Chance“, schlussfolgerte Sebastian Turner.