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Die Freie Universität nimmt Kontakt zu ihren Ehemaligen auf

Eine Lobby für die Universität

Ja, es ist wahr - unsere Universität hatte ihre Ehemaligen lange Zeit nicht berücksichtigt. Es ist Absicht, dass ich nicht von Vergessen spreche, denn vergessen waren und sind die Absolventen (hier: Alumni) der FU nicht, auch wenn vielen dies so vorkam. Sie standen nur nicht im Bewusstsein der Entscheidungsträger. Das hat sich geändert. Schon seit einigen Jahren wuchs - bestärkt durch neu hinzugewonnene Mitarbeiter mit USA-Erfahrung - sowohl im Präsidialamt als auch in den Fachbereichen die Erkenntnis, dass im Nachkontaktbereich ein Potential brachliegt, welches es gelten müsste, zu erschließen. Deshalb haben einige Bereiche innerhalb der Universität begonnen, Informationen über ehemalige Studenten zu sammeln und in Form einer Adressenkartei diese Kenntnisse für eine Kontaktaufnahme zu verwenden. Es ist durchaus nicht so, dass hier - wie von vielen angenommen - eine Gesamtdatei aller ehemaligen Studierenden existiert, die man nur abzurufen braucht.

Präsidentin des Goethe-Instituts Inter Nationes Jutta Limbach
Präsidentin des Goethe-Instituts Inter Nationes Jutta Limbach
(Foto: GI)

Die FU pflegt keine Erfassung à la "großer Bruder". So bedurfte es vieler Anstrengungen, um die Basis für eine vernünftige Nachkontaktarbeit zu schaffen, wie z. B. die Einrichtung einer Datenbank, in die jedoch nur solche Daten Eingang finden, die von den Betroffenen selbst gegeben werden. Ein sinnvoller Weg, eine möglichst breite Öffentlichkeit anzusprechen, schien der über die Presse zu sein. Aber auch der Weg über die Fachbereiche ist ein vielversprechender: In manchen Fachbereichen sind schon seit einiger Zeit Alumnigruppen ins Leben gerufen worden, um auch auf dezentraler Ebene den Kontakt zu den Ehemaligen zu pflegen

Natürlich werden jetzt viele denken, ausgerechnet in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten besinnt man sich auf die Alumni und hofft, darin dem anglo-amerikanischen Bildungsmarkt folgend, auf finanzielle Unterstützung. Doch so einseitig darf der Wille zur Ehemaligenarbeit nicht gesehen werden. Sicherlich ist es richtig, dass auch die Universitäten in Deutschland Ausschau nach neuen Geldquellen halten müssen. Aber es geht um sehr viel mehr als "nur" um neue finanzielle Ressourcen. Wir brauchen unsere Alumni, um Verbindungen zur Arbeitswelt herzustellen, um ein Feedback zwischen Berufs- und Studienalltag, zwischen angewandten Tätigkeiten und Grundlagenforschung zu bekommen.

EU-Parlamentspräsident a. D. Klaus Hänsch

EU-Parlaments-
präsident a. D.
Klaus Hänsch
(Foto: EP)

Wir brauchen einen durch unsere Alumni geförderten politischen Lobbyismus, d.h. ideellen Einsatz für ein Fortbestehen und eine positive Weiterentwicklung der FU. Hier liegt die besondere Bedeutung einer sinnvollen Nachkontaktarbeit. Nicht nur die ersten fünfzig Jahre der FU, sondern die nächsten fünfzig Jahre müssen uns bewegen.

Doch schauen wir auf die Absolventen, die die FU in den ersten fünfzig Jahren hervorgebracht hat. An ihnen wird die überregionale, nationale und internationale Bedeutung unserer Universität besonders deutlich. Bekannte Politiker wie Jutta Limbach, Ernst Benda, Hans Eichel, Otto Schily, Renate Künast, Gesine Schwan, Hanna Renate Laurien, Wolfgang Roth, Eberhard Diepgen, Horst Teltschik und Walter Momper sind aus der FU hervorgegangen, ebenso der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Klaus Hänsch, aber auch Industrielle - fast kein Aufsichtsrat kommt ohne einen ehemaligen FU-Studenten aus - sowie bekannte Personen des öffentlichen Lebens wie Günter Struve, bedeutende Wissenschaftler wie die Leibniz-Preisträger Peter Schäfer (Judaistik) und Irmela Hijiya-Kirschnereit (Japanologie) oder Träger des Max-Planck-Preises wie Günter Schultz (Medizin) und Helga Haftendorn (Politische Wissenschaft), um nur einige aus einer langen Reihe zu nennen. Auch sollen die Protagonisten der achtundsechziger Bewegung nicht vergessen werden: Rudi Dutschke, Johano Strasser, Fritz Teufel, Tilman Fichter, um nur einige zu nennen.

Bundesminister des Innern Otto Schily
Bundesminister des Innern Otto Schily (Foto: BMI)

Zu den Ehemaligen zählen natürlich neben den Lernenden auch die Lehrenden: zum Beispiel Roman Herzog, Hans-Dietrich Genscher, Herta Däubler-Gmelin und sogar Prinz Kum'a Ndumbe III. aus Kamerun. Zur Stärkung der Vielfalt und Qualität der Mitglieder der FU sind wir auf die Unterstützung unserer Alumni angewiesen. Es soll ein Dialog zwischen den Generationen eröffnet werden und dies sollte dazu beitragen, dass man wieder stolz auf seine Alma Mater mit all ihren Eigen- und Besonderheiten sein kann.

Will unsere Universität weiterbestehen und auch in Zukunft einen gebührenden Platz in der deutschen und internationalen Wissenschaftslandschaft einnehmen, dann brauchen wir unsere Ehemaligen. Wir denken dabei an "Patenschaften", die den Alumni die Gelegenheit geben, einzelne Projekte zu unterstützen, z. B. in Form von Einzelstipendien oder Praktikumsplätzen, die zudem den Einstieg in das praktische Berufsleben erleichtern oder einfach Mitglied in der Ernst-Reuter-Gesellschaft zu werden, um mit ihrem Beitrag den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Last but not least: Da die Berliner nicht mehr täglich durch den Wetterdienst von der FU hören, müssen unsere Alumni unsere Universität ständig ins Gespräch bringen.

Ergo, ohne Alumni geht es nicht!

Wedigo de Vivanco
Leiter der Abteilung Außenangelegenheiten


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Stand: 13.02.2007

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